Go-in am Atomwaffenstützpunkt Büchel

17 friedens­bewegte Menschen im Alter von 22 bis 76, aus verschiedenen Regionen Deutsch­lands, führten am 30.4.2019 erfolgreich ihre geplante Aktion gewaltfreien zivilen Ungehorsams durch, um gegen die völker­rechtswidrige Stationierung der Atomwaffen dort zu demon­strieren und – zumindest zeitweise – den illegalen Übungs­betrieb der Bundeswehr zu unterbrechen. Dies war uns wichtig aufgrund der Zuspitzung der atomaren Bedrohung durch die Kündigung des INF-Vertrags. Eigentlich waren es ja zwei Aktionen. Die eine Gruppe überwand ohne Sachbeschädigung den äußeren Zaun und ließ sich im Zwischenraum der Zäune auf mitgebrachten Decken nieder, um dort in schönster Morgensonne ein „atomwaffenfreies Picknick“ zu genießen. Ihr Vergnügen konnte weder durch Zurufe von der militärischen Wachmannschaft auf der Innenseite des NATO-Zaunes gestört werden, noch durch verbale Interventionen der Polizisten auf der Außenseite – kurz: ein antimilitaristisches Idyll! Natürlich waren auch Transparente an den Zäunen aufgehängt worden, um Passanten zu informieren. Ein Novum bei dieser Aktion waren große Hinweistafeln: Damit wollen wir die noch am Zaun befindlichen Schilder „Militärischer Sicherheitsbereich, Schusswaffen­gebrauch…“ formal außer Kraft setzen und darauf hinweisen, dass aufgrund der Illegalität der Atom­waffen jetzt die Zivilgesellschaft die Kontrolle über den derzeit von der Bundeswehr genutzten Standort übernimmt. Die zweite, deutlich größere Gruppe hatte sich das Ziel gesetzt, beide Zäune zu durch­dringen, um den Innenraum des Militärstützpunkts betreten zu können. Laut Aussage der Bundeswehr gegenüber der Polizei wurde daraufhin der Flugbetrieb vorübergehend eingestellt, da sich Zivilisten auf dem Gelände aufhielten. Im Nu hatte diese Gruppe eine große Öffnung in den äußeren Drahtgitterzaun geschnitten. Durch diese Klappe konnten alle problemlos in den Raum zwischen den beiden Zäunen gelangen. Und obwohl die Militärs frühzeitig vor Ort waren, konnten sie unserer Entschlossenheit nichts entgegensetzen, den zweiten Zaun mit mehreren NATO-Drahtrollen an vielen Stellen gleichzeitig durchzutrennen. Dann versammelten wir uns innen, breiteten unser Transparent aus und ließen uns von außen fotografieren. Inzwischen von Soldaten umringt, setzten wir uns nieder, sangen Lieder und riefen im Chor: „Es gibt kein Recht, die Erde zu zerstören! Es gibt kein Recht, Atom­bomben zu werfen!“ Jetzt begann die Bundeswehr mit ohrenbetäubenden Starts der Tornado-Jäger, immer zwei Flugzeuge im Abstand von wenigen Sekunden! Die Polizei war mit einigen Fahrzeugen außerhalb des Zauns angekommen. Wir wurden aufgefordert, das Gelände zu verlassen, und zwar durch den Zaun – wir weigerten uns. Sie verbreiterten die Löcher im Zaun mit Hilfe unserer Zangen, dann wurden wir, einer nach dem anderen, weggetragen und durch den Zaun befördert – draußen Personalien­feststellung, Durchsuchung und einige Beschlagnahmungen. Nun erwartet uns der juristische Weg aufgrund von Haus-“Friedens“-Bruch und Sachbeschädigung der Zäune. Mit der Aktion wollten wir im Rahmen der Kampagne „20 Wochen für 20 Bomben!“ ein Zeichen gegen die Atomwaffen setzen. Wir hoffen auf vielfältige Nachahmung. Damit Büchel atomwaffenfrei wird, wie es auf den Schildern steht: Ziviler Sicherheitsbereich – kein Atomwaffengebrauch!