Daniel Ellsberg: The Doomsday Machine – Confessions of a Nuclear War Planner

Daniel Ellsberg: The Doomsday Machine – Confessions of a Nuclear War Planner

Ein Buch in englischer Sprache, leider ohne deutsche Übersetzung, aber so wichtig dass wir es unbedingt empfehlen möchten: Der Autor Daniel Ellsberg war wohl der bekannteste „Whistleblower“, ein Beschäftigter im US-Verteidigungsministerium, der in jahrelanger Mühe die „Pentagon Papers“ über den Vietnam-Krieg kopierte und herausschmuggelte, um sie dann 1971 zu veröffentlichen. Durch die Offenlegung der Desinformation der amerikanischen Öffentlichkeit trug er entscheidend zur Beendigung dieses Krieges bei. Dieses Buch zeigt seine Wandlung: Er arbeitete seit 1959 als Berater für die US Air Force zur Einsatzplanung der Atomkriegs¬bomber. „Doomsday Machine“ nannte er sein Buch, also „Weltuntergangsmaschine“. Denn dieser gigantischer Apparat aus Atomwaffen, militärischen Befehlshierarchien, Kommunikationssystemen und strategischen Postulaten würde im Kriegsfall tatsächlich den Wel¬tuntergang einleiten, wäre kaum mehr zu kontrollieren. Ellsbergs Wende-Erlebnis ist die Kubakrise 1962: er war Mitglied der Beratergruppe um Präsident Kennedy. Dort glaubte man, alle Fäden in der Hand zu haben. Ein Irrtum, erkannte er später! Der glimpfliche Ausgang war einfach nur sagenhaftes Glück.Daniel Ellsberg schrieb dies Buch Jahrzehnte später, doch basierend auf umfassender Kenntnis eines Insiders. Er gewinnt Glaubwürdigkeit, weil er gleich im 1. Kapitel die Frage stellt: How could I do it? Wie konnte ich nur so einen Job machen?Heute ist Daniel Ellsberg 89 Jahre alt, und er sieht seine Aufgabe darin, sich einzumischen und vor der heute noch gefährlicheren Weltuntergangsmaschine zu warnen. Er hat viele Preise für seine Gewissensentscheidung und seinen Mut erhalten, darunter 2006 den „Alternativen Nobelpreis“. Wer ihn auf Deutsch hören und sehen will: Hier ist ein synchronisiertes Interview. Das Buch selbst gibt es auch als englisches Hörbuch bei audible: Daniel Ellsberg: The Doomsday Machine , Bloomsbury, 2017.

Krieg und Frieden in den Medien

Frieden(sbewegung) und Medien, ein endloses, zunehmend ärgerliches Thema. Die internationale Juristenorganisation gegen – IALANA – veranstaltete 2018 in Kassel eine Kongress zum Thema: Hier ist der Tagungsband. Eindrucksvoll die Liste der Referent*innen: max Uthoff und Ekkehard Sieker von „die Anstalt“, Gabriele Krone-Schmalz und Karin Leukefeld als kritische Berichterstatterinnen, Albrecht Müller („Nachdenkseiten“) Pascal Luig („weltnetz.tv“) für digitale Gegenöffentlichkeit und eine Menge Medienwissenschaftler. Tagung und Buch sind gegliedert und immer noch aktuell. Manchmal erschreckend aktuell, man denke an die Kriegslügen in Syrien oder die oft merkwürdige Löschungspolitik in Wikipedia. („Ziviles Peacekeeping“ wurde gelöscht, obwohl zeitgleich ein Bundestagshearing mit eben diesem Titel stattfand. Begründung: Mangelnde Relevanz). IALANA (Hrsg.) (2018): Krieg und Frieden in den Medien. Berlin: Ossietzky, ISBN 978-3-944545-14-1, 292 S., 20€